Frauen und Geld: da wächst zusammen, was zusammengehört!
Zwar haben junge Frauen heute ein höheres schulisches Bildungsniveau als Männer, doch verdienen die rund 18 Millionen berufstätigen Frauen (2005) im Schnitt immer noch rund 23 % (Westdeutschland) rsp. 10 % (Osten) weniger als ihre Kollegen. Zwar arbeiten immer mehr Frauen, doch zeigt ein Blick auf die Statistik, dass sich der Beschäftigungszuwachs überwiegend durch Teilzeitarbeit erklärt. Entsprechend öffnet sich die Schwere zwischen den durchschnittlichen Arbeitszeiten von Frauen und Männern immer weiter.
Die internationale Arbeitsorganisation in Genf hat ausgerechnet, dass es noch mehr als 960 Jahre dauert, bis die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Politik und Wirtschaft erreicht ist – wenn es im bisherigen Tempo weitergeht.
Lustig, lässig, lästig: feminine Einstellungen
An dem Tempo müssen viele Frauen allerdings selbst schrauben – vor allem, wenn es um die Finanzen geht. Denn wenn man aktuellen Studien Glauben schenkt, ist den meisten Frauen ihre finanzielle Planung und ihre Altersvorsorge relativ egal. So fand die Commerzbank 2004 heraus, dass sich nur ein Viertel der befragten Frauen gerne mit Finanzthemen befasst, weil sie es als Herausforderung ansieht. Nur 14 % der Befragten „geht aktiv mit ihrem Geld um“. Fast ein Drittel zieht sich auf die Position zurück, dass Finanzen einerseits zu kompliziert, andererseits zu privat seien, um darüber zu reden: ihnen ist das Thema lästig. Lässig gehen 28 % der Befragten mit dem Thema um, die einfach auf die staatliche Umsicht vertrauten. Und eine eher lustbetonte Einstellung zum Geld fand man bei 14 % der Befragten, die sich mehr Gedanken ums Ausgeben als um Einnehmen machten.
Anspruchsvolle Zielgruppe
Natürlich kann man nicht alle Frauen über einen Kamm scheren, denn ihre Lebenssituationen und Ansprüche sind sehr unterschiedlich. Die Unterschiede zwischen Frauen sind sogar größer als zwischen Frauen und Männern, resümiert die Inhaberin eines Frauenfinanzdienstes. Wenig eint das Finanzgebahren der alleinerziehenden Mutter, der Studentin, der Rentnerin, der von ihrem Ehemann abhängigen „Nur-Hausfrau“ mit dem der reichen Erbin, der aufstrebenden Karrieristin, der erfolgreichen Unternehmerin. Und auf letztere haben es neuerdings viele Banken abgesehen, denn die Zahl der sehr vermögenden Frauen steigt schneller als die der Männer, berichtet ein aktueller Datamonitor Report. 2005 gab es in Großbritannien bereits deutlich mehr schwerreiche Frauen als Männer, erst bei den Superreichen dreht sich das Verhältnis wieder um – wobei auch hier die Frauen rasant aufholen. In UK und USA stellen sich schon immer mehr Banken auf die Klientel wohlhabender Frauen ein und entwickeln so genannte „Champagne and chocolate“-Programme mit vielen Marketingaktivitäten, speziellen Websites, web 2.0-Ansätzen, Netzwerkideen und Sonderaktionen. Was aber auch ihnen oft noch fehlt, sind Relationmanager, die die wirklichen Finanz-Bedürfnisse von Frauen verstehen und auffangen, meint der Banking Business Review. Im ganzen englischsprachigen Raum sind spezialisierte Frauenfinanzdienste sehr erfolgreich, wie sie sich auch auf dem deutschen Markt etablieren. Hier setzen sich diese aber häufig noch mit der realen finanziellen Herausforderung von Frauen auseinander, die da heißt: Altersvorsorge sichern. Bloß: wie?
Schlechte Altersvorsorge – niedrige Renten
Aus niedrigem Verdienst und kürzeren anrechenbaren Arbeitszeiten ergibt sich vor allem eins: Frauen erzielen im Schnitt nur halb so hohe Renten wie die Männer: Dazu schafft es kaum eine erwerbstätige Frau, eine Karriere ohne Unterbrechungen durch Babypausen und anschließende Teilzeitjobs zu absolvieren. Während der Elternzeit beziehen Mütter nur selten ein eigenes Einkommen. Das hat Folgen für ihre Altersvorsorge: Zum einen fließt weniger Kapital in die gesetzliche Rentenversicherung, zum anderen haben Frauen weniger Geld für eine private Vorsorge zur Verfügung. Daraus resultiert: Während Männer im Jahr 2006 durchschnittlich 790 EUR aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten haben, waren es bei Frauen nur 434 EUR. In Westdeutschland ist die durchschnittliche Frauenrente etwa halb so hoch wie die der Männer; allerdings hat sich die Zahl der Frauen mit eigenem Rentenanspruch erhöht. Die ostdeutschen Frauen stehen, da sie öfter und länger berufstätig waren, etwas besser da: sie erreichen zwei Drittel der Ansprüche der Männer. Für Frauen ist es also umso wichtiger, so früh wie möglich mit der Altersvorsorge zu beginnen.
Trügerische Sicherheit
Und doch fühlen sich Frauen subjektiv bei der Altersvorsorge relativ gut abgesichert, so eine Emnid-Umfrage aus 2006 – obwohl sie für ihre Altervorsorge nur rund zwei Drittel des Betrages anlegen, den Männer aufwenden.
Das deckt sich mit einer Postbankstudie aus 2006, nach der berufstätige Frauen mit 160 EUR rund 80 EUR weniger als Männer in ihre private Altersvorsorge stecken. Fast ein Drittel gibt weniger als 100 EUR monatlich dafür aus!
Geldanlage: konservativ
Das Suchen nach Sicherheit schlägt sich auch in den präferierten Finanzprodukten nieder: Frauen setzen stärker auf Sparbuch, Bausparen und Banksparpläne, Männer öfter auf renditestärkere Formen wie Fonds und Wertpapierdepots:
Fazit: Frauen sind so unterschiedlich wie anspruchsvoll: Sie brauchen mehr als Standardberatung und schnellen Produktverkauf.
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live-academySusanne Kleinhenz
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